Die Zukunft der Weinflasche

Weinflasche mit Glasembossing-Effekt

Was verändert sich in Glasproduktion und Design?

Bordeaux, Burgunder, Schlegel: Die gängigen Weinflaschen haben eine ikonische Form und werden selbst in ihrer reduziertesten Darstellung sofort erkannt. Hinter dem vertrauten Äußeren tut sich aber einiges: Die Glashütten stellen ihre Energieversorgung um, CO₂ bekommt einen Preis. Gleichzeitig interpretieren innovative Material- und Druckkonzepte neu, wie eine Flasche aussehen kann. Weil Entwicklungen wie diese sich früher oder später auf Einkauf, Kalkulation und Markenauftritt auswirken, macht der regelmäßige Blick in die Zukunft für Winzer Sinn.

Glasherstellung: Schritt für Schritt weg vom Erdgas

Glas wird in großen Wannen geschmolzen, und die laufen bisher überwiegend mit Erdgas. Nach Angaben des Bundesverbands Glasindustrie liegt der Erdgasanteil im Energiemix der Branche bei rund 77 Prozent. Soll die Glasproduktion klimaneutral werden, muss dieser Anteil sinken. Die Roadmap des Verbands rechnet dafür drei Wege durch: Strom, Wasserstoff oder Biogas. Dafür müssten die klassischen Wannen laut Roadmap durch vollelektrische oder hybride Technologien ersetzt werden, die noch nicht in der Breite marktreif sind.

Erste Anlagen zeigen aber, wohin die Reise geht. Ardagh hat Ende 2023 in Obernkirchen eine hybride Schmelzwanne in Betrieb genommen. Sie bezieht bis zu 80 Prozent der Schmelzenergie aus Strom, bei herkömmlichen Wannen sind es etwa 10 Prozent. Eine unabhängige Prüfstelle hat für eine 330-ml-Flasche [LB1] bis zu 69 Prozent weniger CO₂ ermittelt, wenn die Wanne mit 80 Prozent erneuerbarem Strom läuft.

Wiegand-Glas plant bis 2029 in Steinbach am Wald die nächste Stufe. Die hybride Anlage Eco2Furnace soll rund 420 Tonnen Grünglas pro Tag schmelzen, mit bis zu 70 Prozent Strom und etwa 90 Prozent Altglas. Nach Unternehmensangaben ist diese Kombination aus Schmelzleistung und Scherbeneinsatz in Europa bisher einmalig. Gerade Grünglas ist für Weinflaschen interessant. Wiegand will damit jährlich rund 17.400 Tonnen CO₂ vermeiden.

Ganz „restfrei“ geht die Umstellung allerdings nicht. Ein Teil der Emissionen entsteht direkt aus den Rohstoffen und nicht aus der Energie. Dafür gibt es laut BV-Glas-Roadmap bisher nur die Abscheidung und Speicherung von CO₂. Die Dekarbonisierung der Glasindustrie ist also ein Prozess über viele Jahre.

CO₂-Bepreisung: Wie geht es weiter?

Glashersteller unterliegen dem EU-Emissionshandel und müssen für ihre Emissionen Zertifikate abgeben. Weil die Branche als gefährdet gilt, ins Ausland abzuwandern, wird sie bisher über kostenlose Zuteilungen geschützt. Wie dieser Schutz nach 2030 aussieht, ist offen. Der europäische Behälterglasverband FEVE fordert in seiner Reaktion auf das Klima- und Energiepaket der EU-Kommission vom Juli 2026, ihn fortzuführen.

Für Winzer heißt das: Energie- und CO₂-Kosten bleiben ein Faktor, der in die Glaspreise hineinwirkt. Wie stark, lässt sich heute nicht seriös beziffern. Wer das Thema im Blick behält, kann aber früher reagieren, zum Beispiel mit leichteren Flaschen.

Leichtgewichte: Weniger Glas pro Flasche

Beim Gewicht hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan. Eine Standard-Bordeauxflasche wog früher rund 550 Gramm. Inzwischen gibt es Entwicklungen von 410 auf 360 Gramm. Aus derselben Menge Rohstoff entstehen so mehr Flaschen, die Schmelze braucht weniger Energie und auf jeder Palette steckt weniger Gewicht. Wie bei Spirituosen gilt auch beim Wein: Sorgen um die hochwertige Anmutung des Produkts muss man sich nicht machen – eine leichtere Flasche wirkt nicht „billig“, wenn Form und Glasverteilung stimmen

Südglas bietet auch einige Leichtgewichte im Onlineshop an. Weinflaschen mit wenig Gewicht sind zum Beispiel:

Flaschen, die keine sind: Alternativen zum Glas

Daneben entstehen Konzepte, die zeigen, welche vielfältigen und fortschrittlichen Ansätze inzwischen in die Flaschenproduktion Einzug halten. Wir beobachten die neuen Herangehensweisen bei Südglas mit Interesse und sind gespannt, was die Zukunft noch an Ideen mitbringen wird. Hier zwei ungewöhnliche Beispiele:

  • Die Frugal Bottle ist eine Flasche aus recyceltem Karton mit einem lebensmittelechten Beutel im Inneren, also ein „Bag-in-Box-System“ in Flaschenform. Laut Hersteller ist sie fünfmal leichter als eine Glasflasche und hat einen bis zu sechsmal geringeren CO₂-Fußabdruck.
  • Die weinton-Flasche ist eine DPG-Pfandflasche aus recyceltem PET mit einer dünnen Glasbarriere im Inneren, die den Wein schützt. Sie lässt sich am Pfandautomaten zurückgeben. Der Hersteller gibt sie als 89 Prozent leichter und mit 49 Prozent weniger CO₂ an.

Ob sich solche Formate im Weinmarkt durchsetzen, ist offen. Für die meisten Winzer bleibt Glas die erste Wahl, vor allem im Premiumsegment. Interessant sind die Ansätze trotzdem, weil sie zeigen, wie sehr Gewicht und CO₂-Bilanz die Verpackungsentwicklung inzwischen treiben.

Mehr Druck: Design als Teil der Positionierung

Auch gestalterisch ist viel in Bewegung. Direktdruck beispielsweise kann das Etikett ersetzen oder ergänzen. Damit wird die Flasche selbst zur Gestaltungsfläche, die sich im Sinne der Markenpositionierung nutzen lässt. Ein Motiv, das über die ganze Flasche läuft oder ein bewusst reduzierter Auftritt: Solche Designs fallen im Regal auf und sind eine kreative Möglichkeit, sich bei gleicher Form optisch von Standardflaschen abzusetzen. Je nach Verfahren und Stückzahl ist das auch für kleinere Betriebe realistisch.

Glasembossing-Effekt: transparenter haptischer Druck © PSL GmbH

Das Südglas-Fazit: Die Flasche bleibt in Bewegung

Während Kunden im Regal auf vertraute Formen blicken, ist hinter den Kulissen ordentlich was los. Die Glasindustrie stellt ihre Energieversorgung um, CO₂ hat seinen Preis, leichtere Flaschen kommen im Mainstream an. Parallel entstehen innovative Materialkonzepte, es wird zugunsten der Nachhaltigkeit viel experimentiert und hinterfragt. Dazu kommen durch neue Techniken viele Gestaltungsmöglichkeiten, die es früher so nicht gab. Diese Trends sind sicherlich spannend – Winzer müssen aber nicht jeden mitmachen. Sinnvoller ist es, eigene Themen zu priorisieren und dafür gezielt die beste Flaschenlösung zu suchen.

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